Wer macht KMU-Politik?

Wirtschaft Wer macht KMU-Politik? - Onlinebote SVP des Kantons Zürich 1

Reger Austausch in der Werkhalle der Optimo Group. Bild zVg

RESÜMEE ZUR FACHTAGUNG IN WINTERTHUR
Rund hundert Gäste konnte der Zürcher Wirtschaftsanwalt und Präsident der SVP-Wirtschaftskommission, Dr. Wolfram Kuoni, am 2. Oktober begrüssen. Darunter SVP-Nationalräte, -Kantonsräte sowie Vertreter des bürgerlichen Fünfer-Tickets für die Winterthurer Stadtratswahlen im Februar 2022. Die Fabrikationshalle der Optimo Group in Winterthur wurde so zum Thinktank für eine bessere KMU-Politik.

Als erster trat Peter Uhlmann, Gründer und heute VR und Mitinhaber der Optimo Group, ans Rednerpult. Er betonte, dass er nie Politiker war, sondern ein politisierender Unternehmer. Während seiner aktiven Zeit im Kantonsrat in der SVP-Fraktion hat er sich immer für die Förderung der Wirtschaft eingesetzt. Zusammen mit seinem Sohn Dominik Uhlmann, der als GL-Mitglied die Optimo Logistics leitet, berichtete er über die Entstehungsgeschichte der Optimo Group, welche als Management-Buyout aus einer ehemaligen Sulzer-Division entstanden ist. Der Kulturwandel vom internen Dienstleister zum kundenorientierten und erfolgreichen KMU, welches seine Kunden im freien Markt suchen muss und sich gegen starke Konkurrenz durchsetzt, ist vom Erfolg gekrönt: In der letzten Woche durfte die Optimo Group das 20-Jahr-Jubiläum feiern.

Von der «ICH-AG» zur «WIR-AG»

Hans Gattlen, VRP der SWISSFACTORY Group, warf einen spannenden Blick in die Zukunft. Er zeigte auf, dass die Tendenz, nur Forschung und Entwicklung in der Schweiz zu belassen und die Produktion ins vermeintlich günstigere Ausland zu verlagern, eine Fehlentwicklung ist. Langfristig leidet die Innovation unter dem Know-how-Verlust und dem Austausch mit der Produktion. Die KMU-DNA ist ein guter Nährboden für schnelle Anpassungen an Kundenwünsche und deshalb ist die SWISSFACTORY Group als eine Art Holding von acht KMU mit komplementären Fertigungs- und Montagetechnologien entstanden. Damit ist eine hohe Flexibilität bei der Anpassung an Kundenwünsche gegeben und der Kunde erhält über den gesamten Produkte- Lebenszyklus die jeweils richtige Technologie zum richtigen Preis aus einer Hand.

Rudi Bindella Jr. informiert über einen der grossen Player in der Schweizer Gastronomie. Die gleichnamige Gruppe mit über 1100 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Konzepten ist stark von der Covid-Pandemie betroffen.

Als Leiter Gastronomie im Familienbetrieb zeigte Rudi Bindella die Geschichte des Unternehmens von der Gründung vor über 110 Jahren bis heute auf. Die Herausforderungen der Zukunft sind vielfältig, ebenso ist das aktuelle Tagesgeschäft nicht mehr so einfach wie früher.

Neue Betriebskonzepte sowie ein eigener Lieferdienst sind Wege in die Zukunft, zusammen mit den übrigen Geschäftszweigen Weinbau- und Handel, Immobilien und Gipserei.

Nach einer Kaffepause, welche rege für den Austausch und Smalltalk genutzt wurde, referierte der CEO Peter Gisler unter der Losung «Minimize Risks, Maximise Exports» über die SERV. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Schweizer Export-Risiko Versicherung. Dieses Instrument der Eidgenossenschaft hilft den Exporteuren, die Risiken in fremden Ländern und mit fremden Kunden abzusichern. Ein wichtiges Instrument, neben Grossbetrieben können auch KMU von dieser Dienstleistung und der damit verbundenen Unterstützung profitieren.

Messerscharfe Analyse von Magdalena Martullo-Blocher

Der anschliessende Auftritt der Vollblut- Unternehmerin und Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher wurde mit Spannung erwartet. Sie zeigte auf, was die Corona-Krise für Auswirkungen auf die Firmen hat. Die globale Entwicklung des BIP hinkt 3,4% hinter dem Vorjahr her mit einer Prognose von 5,6% Wachstum. Die Schweiz schafft hier den Anschluss nicht ganz, unser Aufschwung ist noch gebremst. Auch der Arbeitsmarkt ist von diesen Einflüssen nicht befreit. Auch sind aktuell noch nicht alle Firmen für den Aufschwung bereit. Der bekannte Mangel an den elektronischen Chips führt an vielen Orten zu Verzögerungen oder gar Unterbrüchen in der Produktion. In einer Tour d’Horizon betrachtete sie das politische Umfeld in der Schweiz für die Wirtschaft: Insbesondere prangerte sie die sozialistischen Umverteilungswünsche der linken und grünen Parteien an. Keine Gnade fand auch die immer dichter werdende Regulierungsdichte mit teilweise absurden Auswüchsen und zusätzlichen Forderungen an die Betriebe, gefolgt von Kontrollen, um immer neue Heere von Beamten zu beschäftigen. Sie zeigte die mangelnde Zusammenarbeit mit der FDP und der Mitte-Partei auf, welche sich zu oft gegen die Wirtschaft stellen. Als positiv beurteilte Magdalena Martullo-Blocher hingegen das Ausbildungsniveau und den Zugang zu den Exportmärkten. Eindringlich verteidigte sie das Schweizer System der dualen Berufsbildung. Als kleines Land mit keinem grossen Binnenmarkt gesegnet, ohne nennenswerte Rohstoffe und mit im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten muss sich die Schweiz enorm anstrengen, um an der Weltspitze zu bleiben. Deshalb kämpft sie auch in der Politik für bessere und einfachere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.

Rückgrat der Zürcher Wirtschaft

Abgerundet wurde der Morgen mit den Referaten vom SVP-Kantonsrat Marcel Suter, der selbst Unternehmer ist, sowie mit den Ausführungen von unserem Kantonalpräsidenten, Kantonsrat Benjamin Fischer. Beide betonten, wie wichtig die KMU für die Wirtschaft sind, und anerkannten die wirtschaftliche Leistung. Zusammen mit den vielen Tausend Arbeitsplätzen, welche durch den Einsatz der vielen Unternehmer in unserem Kanton geschaffen wurden, zeigt das, dass die KMU das Rückgrat der Zürcher Wirtschaft sind.

7. Oktober 2021 Thomas Wolf