Wie sinnvoll ist die Widerspruchslösung?

Gesundheitspolitik Wie sinnvoll ist die Widerspruchslösung? - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Zu jeder Blutentnahme braucht es ein bewusstes, klares Ja. Bei der Organspende soll das nun anders sein. Bild Pixabay

ORGANSPENDE
Parlament hat am 1. Oktober 2021 eine Änderung des Transplantationsgesetzes beschlossen: Jede Person, die nicht zu Lebzeiten einer Organspende widersprochen hat, wird automatisch zum Organspender. Gegen diese Änderung wurde nun das Referendum ergriffen.

Ob am Lebensende ohne ausdrückliche Zustimmung einem Menschen Organe entnommen werden dürfen, ist eine zentrale Frage. Da diese jeden Bürger in der Schweiz betrifft, sollte sie zwingend vom Volk und nicht vom Parlament entschieden werden. Dabei geht es um einen grundlegenden Entscheid. Artikel 10 Absatz 2 der schweizerischen Bundesverfassung garantiert jedem Menschen das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Selbstbestimmung. Dieser Schutz gilt ganz besonders auch in höchst verletzlichen Situationen wie beim Sterbeprozess. Der neue Beschluss des Parlaments schränkt dieses Recht jedoch unzulässig ein. So müsste bei der Widerspruchsregelung nun das Recht auf Unversehrtheit des Körpers speziell eingefordert werden. Wird darauf verzichtet, können Organe automatisch entnommen werden. Dies ist – gemäss Professor Markus Müller, Universität Bern, im K-Tipp – «eines demokratischen Staates unwürdig ». Der Staat hat die Bürger zu schützen und ihre Rechte zu garantieren.

Schweigen bedeutet nicht Zustimmung

Zu jeder Blutentnahme, zu jeder Impfung und zu jedem medizinischen Eingriff braucht es ein bewusstes und klares Ja. Dass es zur Organentnahme dieses ausdrückliche Ja nicht mehr brauchen soll, dass es genügen soll, nicht Nein zu sagen, ist nicht nachvollziehbar. Ethisch vertretbar ist Organspende nur, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben hat. Auch Angehörige würden durch die neue Regelung tangiert. Diese werden befragt, wenn sich eine verstorbene Person zu Lebzeiten nicht zur Organspende geäussert hat. Sie könnten allerdings gegen eine Organspende nur dann Widerspruch einlegen, wenn die verstorbene Person mutmasslich die Organspende abgelehnt hätte. Damit werden die Angehörigen einem zusätzlichen Druck ausgesetzt, denn sie könnten befürchten, eine Ablehnung der Organspende würde ihnen als unsolidarisches Verhalten angelastet.

 Patienteninformation leidet

Weiterhin müsste bei der geplanten Widerspruchsregelung die in der Medizin obligatorische informierte Zustimmung sichergestellt sein. Das heisst, alle Personen, die keinen Widerspruch einlegen, müssten über die Modalitäten der Organentnahme (Explantation) genau informiert werden. Sie müssten zum Beispiel das Hirntodkonzept kennen (der Mensch ist tot, wenn seine Hirnfunktionen ausgefallen sind, obschon dann erst drei Prozent des Körpers tot sind) und wissen, dass Organe nicht kalten Leichen entnommen werden. Dass alle betroffenen Personen diese Informationen erhalten und auch verstehen, ist jedoch unrealistisch.

Eine Spende ist nur eine Spende, wenn sie bewusst und freiwillig erfolgt. Im «Gesundheitstipp» vom November 2021 sagt Ruth Baumann-Hölzle, Mitglied des Referendumskomitees und Leiterin der Stiftung Dialog Ethik, dass die Widerspruchsregelung die Gefahr erhöhe, dass Chirurgen Organe gegen den Willen des Patienten entnehmen. «Dann begeht der Staat faktisch einen Diebstahl.» Wollen wir das als Gesellschaft?

* Dr. med. Alex Frei ist Mitglied des Referendumskomitees «Nein zur Organspende ohne explizite Zustimmung!». Bitte jetzt auf www.organspende-nur-mitzustimmung. ch das Referendum online unterschreiben oder Unterschriftenbogen bestellen oder herunterladen:   

 www.organspendenur- mit-zustimmung.ch

9. Dezember 2021 Gastbeitrag