Wie viel Kirche verträgt der Staat?

Kirche und Staat Wie viel Kirche verträgt der Staat? - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

«Wenn keine Religion mehr ist, da geht alles auseinander.» Nicht umsonst beleuchtete der Schweizer Schriftsteller Albert Bitzius bzw. Jeremias Gotthelf in seinen Werken gesellschaftspolitische Themen. Als Pfarrer und Kirchenvertreter wusste er, wohin eine Ausblendung Gottes, der Bibel und christlicher Werte aus dem Alltagsleben in der Gesellschaft führen würde. Bild Wikipedia

KIRCHE UND POLITIK
Bekanntlich kann man von zwei Seiten vom Pferd fallen. Dies hat sich punkto Kirche und Staat leider zugetragen. Einst, als die Kirche nach der Hinwendung des römischen Reiches zum Christentum der Versuchung erlag, sich des staatlichen Apparats zu bedienen. Und heute, wo sie seit der Aufklärung immer mehr aus dem Staatswesen verbannt wird. Beide Szenarien schiessen am Ziel vorbei: Einerseits kann der christliche Glaube nicht mit Gewalt aufgezwungen werden. Andererseits fehlt dem Staat ohne eine Instanz, welche politische Entwicklungen anhand einer objektiven Ethik prüft, das moralische Gewissen.

Der wichtigste Auftrag der Kirche ist die Verkündigung der Heilsbotschaft Jesu Christi. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies habe mit Politik nichts zu tun. Doch ohne Glaubensund Redefreiheit wäre eine Verkündigung gar nicht erst möglich. Diese Freiheiten muss der Staat sicherstellen, damit, wie der Apostel Paulus schreibt, «wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber».

Das Gewissen des Staates
Einfach gesagt dient Politik als Zweck des Staates und Gemeinwesens mit Blick auf die gute Ordnung innerhalb einer Gemeinschaft. Sie ist also das Mittel des Staates, durch Gesetze das gesellschaftliche Zusammenleben zu regeln. Der christliche Glaube liefert dazu die ethische und moralische Basis für diese «gute» Ordnung. Es sind nämlich die Zehn Gebote, die Lehren Jesu und seiner Jünger, die dem Leben Würde und Schutz gewähren, der Erde Gerechtigkeit bringen und den Menschen Frieden und grundlegende Freiheiten ermöglichen.
Nebst der Verkündigung der Heilsbotschaft trug Jesus seinen Jüngern auf, Salz und Licht in der Welt zu sein. Dies geschieht nicht in einem luftleeren Raum, sondern mitten in der Gesellschaft. Als Institution der Gläubigen gegenüber dem Staat setzt sich die Kirche für den Erhalt (eine Funktion von Salz) biblischer Werte ein und weist wie ein Leuchtturm den richtigen Weg. Folglich obliegt es der Kirche, politische Entwicklungen und gesellschaftliche Entfaltungen anhand des biblischen Massstabs zu prüfen und sich dazu zu äussern. Dies gelingt aber nur, wenn sie an der Weltsicht der Bibel festhält und sich nicht dem Zeitgeist anpasst. Denn, wie Jesus sagte, ist die Kirche zwar «in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt».

Trennung, aber keine Isolierung
Eine Trennung von Kirche und Staat ist somit richtig und wichtig, doch bedeutet dies keine völlige Isolierung voneinander. Die Separierung geschieht in Bezug auf Funktion und Verantwortlichkeiten, wobei auch klare Grenzen gesetzt werden. Nehmen wir wieder das Beispiel der Glaubensfreiheit: Die Kirche kann der Gesellschaft nicht durch staatliche Mittel den Glauben aufzwingen oder gar sich des Gewaltmonopols des Staates bedienen. Auf der anderen Seite darf der Staat der Kirche nicht vorschreiben, was sie zu predigen hat oder nicht predigen darf, auch kann er nicht in die Konstituierung der Kirche hineinreden.
Eine Verbannung der Funktion der Kirche aus Politik und Staat würde in eine moralische Abwärtsspirale führen. Bereits Jeremias Gotthelf warnte seinerzeit: «Wenn keine Religion mehr ist, da geht alles auseinander, denn sie ist der Kitt, der alles verbindet und zusammenhält. » Ein Staat «ohne Gott» macht den Menschen selbst zu einem Gott und dadurch zum Autor über Gut und Böse. Die Folge davon wäre eine Aufweichung objektiver Normen, die menschlicher Willkür Tür und Tor öffnen würde; plötzlich kann das Gute als böse und das Böse als gut uminterpretiert werden.
Die Garantie für Gerechtigkeit, Menschenrechte und friedliches Zusammenleben bietet nicht eine säkulare Demokratie, sondern der christliche Glaube in seinem ursprünglichen Sinne. Und es ist der Auftrag der Kirche, dies im Gedächtnis des Staates und Gemeinwesens immer wieder in Erinnerung zu rufen.

23. April 2021 Timotheus Bruderer