«Wir müssen aufpassen, dass uns andere nicht den Rang ablaufen»

Hintergrund «Wir müssen aufpassen, dass uns andere nicht den Rang ablaufen» - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Peter Uhlmann, Verwaltungsratspräsident Optimo Group: «In vielen oberen, staatlichen Gremien herrscht eine Führungsschwäche.» Bild zVg

KMU-TAGUNG 2021
Die Optimo Group als Gastgeberin der KMU-Tagung ist mit rund 250 Angestellten selbst ein mittelgrosser Betrieb par excellence. Verwaltungsratspräsident Peter Uhlmann zeigt im Interview auf, wo überall der Schuh regulatorisch und politisch drückt.

Die Optimo-Group feiert 2021 ihr 20-jähriges Bestehen. In der Hauszeitung liest sich ein Artikel dazu wie eine «never ending success story». Warum war das, was 2001 mit einem Management-Buyout begann, alles andere als ein Selbstläufer?

Der Start war eine grosse Herausforderung an das damalige Leitungsteam und die Mitarbeitenden. Nicht alle Leute hatten das Vertrauen und die Überzeugung, dass wir den Schritt in die Selbstständigkeit schaffen würden. Der Wechsel vom internen Dienstleister zum externen Dienstleistungsplayer war in der Umsetzung nicht so einfach. Mit einer intensiven Schulung konnten wir unsere Leute jedoch schnell auf die geänderten Verhältnisse einstimmen. In einzelnen Bereichen wurde bereits seit Jahren externe Kundschaft gesucht und auch gefunden. Somit hatten wir schon Erfahrungen gesammelt, wie wir mit unseren Dienstleistungen betreffend Preis-Leistungs-Verhältnisse auf dem Markt ankommen. Ein Thema war sicher auch die Liquidität. Wie konnten wir garantieren, dass für damals 180 Mitarbeitende gleich die Löhne und Sozialleistungen bezahlt werden konnten? Dank grossem Einsatz und Mut zum Risiko haben wir aber den Schritt gewagt und nach heutigen Erkenntnissen auch geschafft. Nicht zuletzt auch dank vielen Optimisten bei Optimo.

Wo ganz konkret hattet Ihr den Eindruck, dass Euch als KMU Steine in den Weg gelegt wurden?

Wenn ich zurückblicke muss ich feststellen, dass sich in den letzten 20 Jahren die Auflagen und Rahmenbedingungen für uns KMUler massiv verschlechtert haben. Immer mehr Auflagen und Bestimmungen kommen auf uns zu. Es sind Vorschriften im Bauwesen, im Umgang mit der öffentlichen Hand, im Güterverkehr, im Personalwesen usw. Wir werden dauernd mehr überprüft und kontrolliert. Warum muss das sein? Wir als Arbeitgeber sind doch auch nur Menschen, die anderen Menschen Arbeit beschaffen wollen. Es gibt wenige Arbeitgeber, die mit Absicht irgendwelche Vergehen tätigen. Leider neigt der Staat dazu, dass dann sofort neue Gesetze und Vorschriften erstellt werden müssen. Meistens werden die dann noch verschärft und ausgebaut.

Wenden wir uns der Gegenwart zu: Die KMU-Landschaft ist äusserst facettenreich; reicht vom Sanitärbetrieb über eine mehrköpfige Anwaltskanzlei bis zum Startup für Maschinelles Lernen. In welchen Branchen besteht politisch der grösste Handlungsbedarf?

 Wir KMU sind öfters Zulieferer grosser, internationaler Firmen. Diese haben vielmals den Absatzmarkt zur Hauptsache im Ausland. Sofern wir als deren Lieferanten nicht vernünftige Rahmenbedingungen vorfinden, damit wir die Preise für unsere Dienstleistungen tief halten können, werden die damit verbundenen Arbeitsplätze in günstigere Länder verlegt. Davon betroffen ist sicher primär die Maschinenindustrie. Ob wir auf diese Arbeitsplätze verzichten können und uns nur noch von Bürojobs erhalten werden, bezweifle ich sehr. Leider ist es so, dass grosse Firmen sich nicht mehr intensiv mit unserer Wirtschaftspolitik befassen. Sie schauen, was wir hier bestimmen, danach orientieren sie sich neu. Stimmt für sie das Umfeld nicht mehr, sind sie weg. Entweder aus der Stadt, aus dem Kanton oder aus der Schweiz. Da kann ich nur aus erlebter Erfahrung sprechen.

Welche vordringlichen Hausaufgaben hat mit Blick auf KMU-Förderung bzw. KMU-Entlastung der Kanton zu lösen?

  Als mit Abstand grösster Wirtschaftskanton müssen wir aufpassen, dass uns die anderen Kantone nicht den Rang ablaufen. Wir sitzen teilweise immer noch auf dem hohen Ross und haben das Gefühl, wir sind es! Dem ist eben nicht mehr so. Nicht umsonst sind die Steuereinnahmen der juristischen Personen rückläufig. Es ziehen je länger, je mehr Firmen und Private weg. Wenn auch mehr Firmen in der Statistik erscheinen, es sind vielmals solche, die keine Steuern bezahlen. Es ist bekannt, dass der Kanton Zürich bei der Bewertung von nicht börsenkotierten Unternehmungen schlecht dasteht. Ebenfalls rangieren wir bei der Vermögensbesteuerung ab ca. 3 Mio. Franken auf den hinteren Rängen. Es wissen viele Leute, vor allem auch Parlamentarierinnen, nicht, aus was bei uns nicht börsenkotierten Unternehmungen das Vermögen besteht. Es ist in der Regel in den Unternehmungen gebunden und liegt nicht einfach bar auf unserem privaten Konto. Vollblutpolitikerinnen und -politiker sollen selber vermehrt wieder arbeiten gehen. Somit hätten sie auch weniger Zeit, so sinnlose Vorstösse zu kreieren. Damit belasten sie nur die Verwaltung und können sich bei den nächsten Wahlen noch brüsten, wieviel sie geleistet haben.

Gibt es aktuell Ansätze, die in die richtige Richtung weisen?

 Leider kaum. Zumal der Staat in den letzten Jahren wächst und wächst. Dabei ist er aus meiner Sicht auch ein Unternehmen und sollte unternehmerischer geführt werden. Doch in vielen oberen, staatlichen Gremien herrscht eine Führungsschwäche. Die Kriterien für die Auswahl in solche Ämter sind für mich fragwürdig. Negativ ist sicher auch, dass sich gegenüber früher weniger Leute aus der KMU-Branche zur Verfügung stellen. Da braucht es einen Gesinnungswandel. Nicht zuletzt auch weil die KMU in der Schweiz die mit Abstand grössten Arbeitgeber sind.

 

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Tagung für KMU: Politik und Wirtschaft im Dialog

23. September 2021 SVP Kanton Zürich