«Wir wollen und sollen Regierungsverantwortung übernehmen»

Partei Beiträge «Wir wollen und sollen Regierungsverantwortung übernehmen» - Onlinebote SVP des Kantons Zürich

Roman Schmid: «Wir zählen pro Jahr auf 21 000 Einwohnerinnen und Einwohner etwa 4700 Zu- und Wegzüge.» Bild zVg

AUGENSCHEIN IN OPFIKON
Im direkten Agglomerationsgürtel um Zürich ist Opfikon als Parlamentsgemeinde politisch hoch interessant. Trotz überdurchschnittlich hoher Bevölkerungsdichte und Fluktuation ist die rasch gewachsene Stadt bürgerlich orientiert. Im Gespräch erläutert Roman Schmid in seiner Rolle als Gemeinderat und Fraktionschef, wie die SVP im Wahljahr 2022 punkten kann.

Opfikon ist innerhalb von zehn Jahren (2009–2019) um mehr als einen Viertel gewachsen und zählt mittlerweile deutlich über 20 000 Einwohner. Wie gut konnte diese Zuwanderung aus Sicht der SVP «gemanagt» werden?

Dies war für unsere Gemeinde sicher ein Kraftakt. In dieser Zeit musste auch die Infrastruktur an die Bedürfnisse angepasst werden. Für die SVP wurde dies gut gelöst. Mit dem Bevölkerungswachstum wuchs aber auch die Stadtverwaltung. Die SVP scheiterte hier mehrmals mit der politischen Forderung, die Stellenerhöhung nicht pauschal, sondern von Fall zu Fall in der zuständigen Kommission anzuschauen und im Gemeinderat zu beschliessen. Ganz nach dem Motto: so viel wie nötig und keine Stellen auf Vorrat schaffen. Die SVP-Gemeinderatsfraktion befasst sich momentan mit vielen links-grünen Wunsch-Anliegen, welche es politisch zu verhindern gilt. So etwa ein Vorstoss, welcher staatlich verordnete eingeschränkte Hundefreilaufzonen forderte.

Schaut man sich die Bevölkerungsdichte (annähernd 4000 Einwohner pro Quadratkilometer), aber auch den Ausländeranteil (rund 45%) an, müsste Opfikon an sich politisch ähnlich wie die Grossstädte Zürich oder Winterthur ticken. Doch die bürgerliche Handschrift ist auf Gemeindeebene durchaus lesbar. Woran liegt das?

Politisch tickt Opfikon seit jeher mehrheitlich bürgerlich. Man hat aber hier in den letzten Wahlen leider immer etwas an Boden verloren. Dies hat mit den Zuzügen aus den Städten in die «mietgünstigere» Agglomeration zu tun. Die bürgerliche Wählertradition gilt es, in die Zukunft zu führen. Dies ist unsere Hauptaufgabe. Ebenfalls sind wir auf die Unterstützung der anderen «bürgerlichen» Parteien angewiesen, welche leider nicht immer funktionierte. Da müssen wir unsere bürgerlichen Sparingpartner wieder mehr in die Pflicht nehmen und ihnen auch ihre politische Herkunft wieder vor Augen führen.

Die Grenze zwischen der Stadt Zürich und der Stadt Opfikon ist rein visuell – mit Ausnahme der Innerortsschilder auf den Strassen – kaum mehr wahrnehmbar. Seebach und Opfikon bilden zusammen einen kompakten urbanen Lebensraum. Welchen Einfluss hat dies auf die Identität bzw. das Zugehörigkeitsgefühl der Einwohner?

Die Stadt Opfikon weist eine der höchsten Fluktuationen unseres Kantons auf. Das heisst, dass man pro Jahr auf 21 000 Einwohnerinnen und Einwohner etwa 4700 Zu- und Wegzüge zählt. Dies spiegelt sich leider auch im Vereinsleben und im Engagement in Vereins- oder Freiwilligenarbeit. Alteingesessene Opfikerinnen und Opfiker gibt es immer wenigere. Junge, welche sich ein Eigenheim kaufen möchten, ziehen weg. Expats und auswärtige Arbeitnehmer ziehen zu. Sie übernachten in Opfikon, aber ihr Leben spielt sich mehrheitlich nicht in unserer Gemeinde ab. Dies schlägt sich in der meist sehr tiefen Stimmbeteiligung nieder. Wir müssen diese Menschen abholen und sie von unserem politischen Programm überzeugen. Dies soll aber auf freiwilliger Basis passieren und nicht mit einem staatlichen Zwang herbeigeführt werden.

Derzeit stellt die SVP einen von sieben Stadträten. Bis wann ist klar, mit wem und mit wie vielen Kandidaten die Partei in den Wahlkampf 2022 steigt?

 Ich präzisiere: Bei den letzten Wahlen wurde der durch die Partei nicht unterstützte Kandidat in die Regierung gewählt. Die offiziell von der SVP unterstützten Kandidaten schafften die Wahl leider nicht. Die SVP Opfikon- Glattbrugg-Glattpark will bis zu den Sommerferien öffentlich informieren mit wem und mit wie vielen Kandidatinnen und Kandidaten der Stadtratswahlkampf bestritten wird. Ziel ist es, dass die SVP wieder zwei Stadträte stellt. Wir wollen und sollen Regierungsverantwortung in unserer Stadt übernehmen. Ebenfalls wird bis zu den Sommerferien entschieden, ob man das frei werdende Stadtpräsidium nach über 40 Jahren zurückerobern möchte. Es wäre an der Zeit.

Und wie sehen die Ziele fürs Parlament aus?

Ziel ist es, dass wir wieder mit zwei eigenen Listen zu den Parlamentswahlen antreten und die bei den letzten Wahlen verlorenen drei Sitze zurückgewinnen. Die SVP muss zu ihrer alten Stärke (13 Sitze und knapp 40% Wähleranteil) zurückfinden. Dies ist ein sehr hohes Ziel, aber gemeinsam ist dieses erreichbar. Für uns ist es aber gleichzeitig auch sehr wichtig, dass unsere Partei in den weiteren Gremien wie Schulpflege und Sozialbehörde vertreten ist und so unsere Politik einbringen kann.

Blicken wir fünf Jahre in die Zukunft: Wie sieht Opfikon dann aus, sofern wichtige Kernanliegen der SVP Mehrheiten finden?

Opfikon wird weiterhin eine attraktive Wirtschafts- und Wohngemeinde zwischen Flughafen und der Stadt Zürich sein. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise konnten dank einer Leistungsüberprüfung bei den Aufwandpositionen gut ausgeglichen werden. Wir hoffen, dass sich die die Bevölkerung, d.h. die Menschen, noch mehr für unsere Gemeinde engagieren und somit weniger staatlich subventionierte

 

 

Steckbrief:

Roman Schmid
– 2006–2021 Gemeinderat in
Opfikon (Gemeinderatspräsident
2011/2012)
– Fraktionspräsident 2019–2021
– Seit 2011 Kantonsrat (Kantonsratspräsident
2020/2021)
– Jahrgang 1984, verheiratet,
2 Kinder
– Gartenbautechniker HF
– Hobbies: Familie, Wandern,
Skifahren, Freunde

25. Juni 2021 Thomas Ammann